Generation Praktikum: Sprungbrett oder Ausbeutung?

 

Bekanntlich ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Aus diesem Grund heißt es gerade für Studenten und Berufseinsteiger vor dem großen Berufsauftritt: üben, üben, üben. Die erste Berufserfahrung machen junge Menschen meist während eines Praktikums, denn hier kann man Fähigkeiten ausbauen und Interessen entdecken. Eine gute Sache also.

Praktikum

Ein Praktikum kann eine Chance sein

Ob im Inland oder im Ausland, Praktikumsangebote gibt es zur Genüge. Oft suchen Firmen händeringend nach jungen Akademikern, die „frisch“ von der Uni kommen und die Chance in einem aufstrebenden Unternehmen wahrnehmen wollen. Die noch flexible, nicht festgefahrene Denkweise junger Absolventen sehen die Firmen als großen Vorteil. Im besten Fall behalten die Unternehmen ihre Praktikanten, kennen diese dann inzwischen doch die Firmenstruktur und interne Abläufe. Immerhin wurden in Deutschland im Jahre 2008 22% der Praktikanten vom Betrieb übernommen. [1]

Vorsicht ist jedoch geboten

Die Realität ist nämlich derzeit ernüchternd. Das krisengeplagte Jahr 2013 brachte in Österreich[2] die zweithöchste Arbeitslosenquote seit 1945. Und je mehr arbeitslose junge Akademiker sich auf dem Arbeitsmarkt tummeln, desto lieber stellen die Unternehmen Praktikanten ein, die für wenig Geld professionelle Arbeiten verrichten. Praktika, die ein Jahr dauern, sind keine Seltenheit mehr.

Beunruhigend ist auch, dass sich viele junge Menschen gezwungen sehen, nach ihrer Ausbildung oder ihrem Studium ein Praktikum nach dem anderen zu absolvieren, weil sie sich so bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt erhoffen. Spätestens dann, wenn die Rubrik „praktische Erfahrungen“ im Lebenslauf bereits überquillt, weiß man: Es liegt nicht an der Qualifikation, dass bisher noch kein fester Arbeitsplatz in Sicht war.

Dass mittlerweile mehr Praktikantenstellen als Arbeitsstellen angeboten werden, legt nahe, dass Praktikanten als billige Arbeitskräfte gesehen werden. Die Studie „Generation Praktikum 2011“ ergab, dass ganze 40% der Praktika nach Studienabschluss unbezahlt sind. Es sind sogar zwei Drittel, wenn man nur die Pflichtpraktika von Hochschülern betrachtet[3]. Die österreichische Plattform „Generation Praktikum“ spricht von „Generation prekär“.

 Dennoch sollte man sichergehen, dass man nicht als billige Arbeitskraft eingesetzt wird.

Damit das Praktikum auch seinen guten Zweck erfüllt, sollte man darauf achten, dass:

  • ein Praktikumsvertrag abgeschlossen wird,
  • man durch den Praktikumsgeber sozial abgesichert ist,
  • man fair entlohnt wird, denn gerade längere Praktika sollten auch mit einem finanziellen Anreiz verbunden sein,
  • man in verschiedene Bereiche „hineinschnuppern“ kann,
  • das Praktikum hält, was hinsichtlich der Tätigkeit in der Stellenanzeige versprochen wurde,
  • der Lernfaktor im Vordergrund steht: Es gibt zwar immer wieder einmal unliebsame Tätigkeiten, die dazugehören, doch sie sollten nicht überwiegen.

Wenn diese Kriterien erfüllt sind, kann man davon ausgehen, dass es sich um ein seriöses Praktikum handelt, das als Karriereeinstieg dienen kann.


[1] Fuchs, Tatjana, 2008: Was ist gute Arbeit? Anforderungen an den Berufseinstieg aus der Sicht der jungen Generation. Im Auftrag der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) und dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS). Stadtbergen.

[2] diePresse.com

[3] http://www.bmask.gv.at/cms/site2/attachments/4/5/4/CH2141/CMS1242116496119/forba-endbericht_studie-praktika-bmask_090611.pdf

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