Lassen Sie Ihr Dienstzeugnis nicht zur Stolperfalle werden!

Nach Ende eines aufrechten Dienstverhältnisses hat man ein gesetzlich verankertes Recht auf ein Dienstzeugnis. Dieses Dokument stellt eine Beurteilung der erbrachten Leistungen, sowie des persönlichen Verhaltens und der beruflichen Fähigkeiten des Arbeitnehmers dar.

Die Beilage des Dienstzeugnisses kann je nach Situation hilfreich sein oder sich mitunter auch als Stolperstein entpuppen.

Hat man sich von einem Arbeitgeber unter „widrigen oder strittigen“ Umständen getrennt, dann sollte man das Dienstzeugnis von einem Fachmann prüfen lassen, um unangenehme Überraschungen zu vermeiden. Auch in scheinbar positiven Beurteilungen können sich negative Aussagen verbergen.

Die Stolpersteine im Dienstzeugnis

Da es einem Arbeitgeber gesetzlich nicht gestattet ist, sich im Dienstzeugnis negativ über einen ehemaligen Arbeitnehmer zu äußern, hat sich mit der Zeit eine Art Geheimsprache unter Arbeitgebern entwickelt, um in scheinbar positiven Formulierungen auch die negativen Eigenschaften des ehemaligen Mitarbeiters zu verpacken.
Dazu einige Beispiele:

Frau Meier hat alle ihr übertragenen Aufgaben stets zu unserer Zufriedenheit erledigt.

Dieser Satz hört sich auf den Blick durchaus positiv an. Bei näherer Betrachtung lässt dieser Satz auf eine eher mittelmäßige Arbeitsleistung schließen. Wie bei einem Ratingsystem gibt es bei den Formulierungen feine Abstufungen in der Wortwahl, die auf den Leistungsgrad hinweisen.

Würde die Formulierung „…zu unserer vollsten Zufriedenheit…“ lauten, so wäre dies der positivste Fall, während eine Formulierung wie „…hat sich stets bemüht, die übertragenen Aufgaben zu erledigen…“ ein vernichtendes Urteil über den Arbeitnehmer abgeben würde. Die Feststellung, dass sich der Mitarbeiter bemüht habe, heißt eigentlich nichts anderes als: „Er hat sich stets bemüht, aber hat es nicht geschafft“.

Er war pünktlich und legte großes Einfühlungsvermögen im Umgang mit den Kolleginnen an den Tag.

Der besondere Hinweis auf die eigentlich selbstverständliche Pünktlichkeit des Mitarbeiters ist ebenfalls ein als negativ zu bewertender Hinweis. Eigentlich heißt das nichts anderes als „Der Mitarbeiter nahm es mit der Pünktlichkeit nicht so genau“.

War der Arbeitnehmer nicht gerade in einem sozialen Beruf tätig, dann lässt der Hinweis auf das große Einfühlungsvermögen gegenüber den Kolleginnen darauf schließen, dass der Kontakt zum weiblichen Personal durchaus nicht nur auf die berufliche Tätigkeit beschränkt war.

Bei Unsicherheit lieber prüfen lassen

Treten bei genauerer Betrachtung des Dienstzeugnisses etwaige Zweifel auf, sollte man einen Experten zu Rate ziehen.

Obwohl man gegen ein ungerechtfertigt „negativ“ verfasstes Dienstzeugnis auch rechtlich vorgehen könnte, lohnt sich der Aufwand einer solchen Prozedur wohl in den seltensten Fällen. Sollte sich ein erhaltenes Dienstzeugnis als Stolperstein für die weitere berufliche Laufbahn entpuppen, dann wäre es wohl ratsamer, dieses Dienstzeugnis seinen Unterlagen nicht beizulegen.

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